DER MALER AKBAR AKBARPOUR
von Dr. Harald Tesan
Auf den ersten, flüchtigen Blick scheint Akbar Akbarpour ein abstrakter Expressionist zu sein. Doch hinter der spontan wirkenden, hohen malerischen Kultur, mit der die Farbmaterie souverän bis zu zehn Zentimeter dick auf die Leinwand aufgebracht wird, verbirgt sich ein klassisches Anliegen. Akbarpours eigentliches Thema ist die menschliche Gestalt: entweder als Einzelfigur, als Gruppe im situativen Kontext oder als Ornament der Masse. Das zu erkennen, stellt für den Betrachter immer wieder von Neuem eine große Herausforderung dar, denn der Künstler löst sich im Verlauf des Malvorgangs vom Gegenstandsbezug. Aber der Maler verliert sich nicht vollends in der Farbe. Er behält die Kontrolle über eine Komposition, aus der sich bei genauerem Hinsehen intime Räume, Stellungen und Handlungen der Protagonisten herauszuschälen beginnen.
Akbarpours kühne Farbstrudel künden auf der einen Seite von freigeistiger Ekstase. Auf der anderen Seite legen sie Zeugnis ab von einer disziplinierten Wut, mit der es ihm gelingt, die alte Genremalerei in neuer Form wiederzubeleben. In dieser Ambivalenz gleicht Akbarpours pastose Malerei einem aufgewühlten Dialog über verschiedenste Grenzen hinweg. Wenn die Farbe unter Akbarpours Händen zum wandelbaren Stoff wird, der durchgeknetet und mit expressiver Geste ausgezogen wird, dann lehrt uns der Künstler, dass Sehen eine Fähigkeit ist, die erst mühsam erworben werden muss. Die stete Gradwanderung zwischen Figuration und Abstraktion ist vielschichtige Metapher für eine Reise, bei der der Betrachter an keinem Punkt räumlicher oder zeitlicher Finalität anzukommen braucht.
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Akbar Akbarpour ist ein geradezu besessener, hochproduktiver Maler. In der letzten Zeit ist seine Malerei noch wuchtiger, ist seine Palette noch kontrastreicher und brillanter geworden. Der in Deutschland lebende Iraner huldigt einem bedingungslos subjektivistischen Kunstbegriff, wenn in seinen Gemälden der rohe Werkprozess ablesbar bleibt. Zugleich bleibt der Menschen im Mittelpunkt seiner Bilder. Die Spannung zwischen dem im Malakt sich verströmenden Künstler und einer Reflexion über die humanistischen Bedingungen von Kunst zu halten, ist Akbarpours eigener, verschiedene Kulturen und Traditionen verbindender Weg.
(Auszug aus einer Vernissagenrede vom 12. Mai 2007
Copyright für den Text: Dr. HARALD TESAN, Kunsthistoriker, Erlangen. |